Betreff: Brexit: Einfach mal ruhig bleiben

Brexit: Einfach mal ruhig bleiben
Hallo Friend,

wider Erwarten kommt es jetzt doch zum Brexit, dem Ausstieg von Großbritannien aus der EU. Und wie immer wird an allen Ecken und Enden Panik und Angst gestreut. Natürlich ist es eine besondere Situation, aber die Welt wird für die EU ohne Großbritannien nicht untergehen. Das Vereinigte Königreich ist zwar der drittgrößte Netto-Zahler in der EU nach Deutschland und Frankreich, wollte aber auch ständig eine Sonderstellung erhalten. 

Du stellst Dir wahrscheinlich auch die Frage, was nun mit Deiner Geldanlage wird. Das ist auch der Grund, warum ich diesen Newsletter außer der Reihe veröffentliche. Denn scheinbar gibt es sehr viele Anfragen bei diversen Portalen. Hier gilt es, sich immer wieder vor Augen zu führen, was wir mit unseren Vermögenswerten anstreben. Und bei den meisten ist es auf Langfristigkeit ausgelegt. Da wird der Brexit nur eine kleine Fußnote im Depot bleiben.

Überzogen!

Die 10 Prozent Verlust im Dax am Freitagmorgen waren wieder mal völlig überzogen. Im Laufe des Tages relativierte sich das Ganze wieder. Am Ende blieben zwar immer noch 6,82 Prozent Verlust, aber das waren nur die Wochengewinne im Vorfeld der Abstimmung. Auch in den kommenden Wochen wird es noch ordentlich rumpeln an den Märkten, aber es beruhigt sich auch wieder. 

Wirtschaftlich wirklich betroffen werden hauptsächlich Finanzdienstleister und Autohersteller wie Daimler, BMW und VW sein, die bis zu 12 Prozent ihrer jährlichen Umsätze auf der Insel machen. Für sie wird sich in den kommenden Jahren ändern. Und die Banken müssen sich umstellen. Der Handelsplatz Frankfurt wird dadurch aber sogar aufgewertet. Negative Auswirkungen wird in erster Linie aber Großbritannien selbst haben. 2015 haben sie Waren im Gesamtwert 683,98 Mrd. Euro importiert, aber nur 460,45 Mrd. Euro exportiert (Quelle: Statista).

Interessant fand ich in diesem Zusammenhang die Aussagen im Vorfeld der Abstimmung von Börsenprofessor Max Otte und Mr Dax, Dirk Müller, die klare Statements zum Sachverhalt gemacht haben. Hier steckt viel Wahrheit drin - auch wenn Max Otte mit seinem Anlage-Tipp völlig daneben gelegen hat. Auch der Kommentar von Dr. Oliver Vins von Vaamo ist lesenswert. Du siehst: Vieles wird wieder von den Medien überzogen dargestellt. 

Sieg über die Eliten

Kommen wir mal zu den wirklich zentralen Punkten des Brexits. Die Abstimmung ist ein klares Zeichen, dass es sich lohnt, wählen zu gehen. Jeder kann dazu beitragen, dass sich etwas verändert - auch wenn viele Briten erst jetzt googlen, was der Brexit für sie bedeutet. 

Es ist ein Sieg über die Eliten, die häufig über den Kopf des einfachen Bürgers hinweg entscheiden. David Cameron wird wahrscheinlich jeden Abend einmal gegen die Wand rennen, weil er sich mit der Entscheidung für ein Referendum 2013 völlig verspekuliert hat. Das Thema Eliten, EU und die negativen Auswirkungen behandele ich auch in meiner Podcast-Folge am 06.07.2016..

Und die Regierungen in den EU-Ländern müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie die Wähler in Großbritannien nicht völlig unterschätzt haben. Freitag kursierte in den sozialen Medien ein Video von der Bundespressekonferenz vom 15.06.. Dort wurde die Frage gestellt, ob sich denn überhaupt ein Ministerium auf den Brexit vorbereitet hat. Und die Antwort: Keine Reaktion! Schaut bitte selbst bei Minute 53:02!

Demografische Probleme

Dass es überwiegend ältere Briten waren, die für den Brexit gestimmt haben, stimmt hingegen nachdenklich. Die überwiegende Mehrheit der jüngeren Menschen wollten in der EU bleiben. Das ist ein großes Problem, weil die Älteren überall in Europa immer zahlreicher werden und teilweise komplett veraltete Wertevorstellungen haben. Leider ist dieses Problem nicht wegzudiskutieren, aber ein gutes Argument, um junge Menschen zum Wählen und Mitgestalten aufzufordern. Nach dem Motto: " So etwas passiert, wenn Du nicht wählen gehst!"

Und zu guter Letzt hat der Brexit leider auch sehr negative Auswirkungen auf die EU. In Frankreich, Holland und Deutschland fordern die Rechtspopulisten nun auch Referenden zum EU-Ausstieg. Und wenn diese Menschen an die Macht kommen sollten, wird alles viel schlimmer. 

Solche Taten wie der widerliche Anschlag auf die englische EU-Befürworterin Jo Cox könnten sich dann wiederholen, denn sie basieren auf der Hetze. Hier hilft nur politische Aufklärung! Schau Dir mal die Versprechungen von Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson vor der Abstimmung und danach an - und Du erkennst die heiße Luft. Leider wurde vorher vieles geglaubt.

Nachdenken hilft

Deshalb möchte ich mit einer Artikel-Empfehlung schließen, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat und die ich Dir nicht vorenthalten möchte. Dieser tolle Artikel von Ulrike Draesner in der ZEIT behandelt genau diesen Fall - und zeigt wie schlimm der Wahlkampf in Großbritannien war. Und am Ende hatte ich einen Kloß im Hals - vor allem beim Lesen der Kommentare.

Jetzt beende ich den Sondernewsletter mit einem Zitat vom österreichischen Schriftsteller Karl-Heinrich Waggerl:

"Jeder möchte die Welt verbessern und jeder könnte es auch, wenn er nur bei sich selber anfangen wollte."


Rock on
   
Neue Artikel 
in dieser Woche

Folge 50: Interview mit Alicia
In dieser Woche habe ich ein Interview mit meiner Hörerin Alicia für Dich. Sie ist eine junge Mutter, die in diesem Jahr mit der Geldanlage mit ETFs angefangen. Wir besprechen darüber, wie es dazu kam, welche Ziele sie damit verfolgt und wie sie vorher angelegt hat.
Rebalancing: Was ist das?
Nach knapp einem Jahr schaffe ich es nun endlich meine Serie zur individuellen Finanzplanung abzuschließen. Der letzte der acht Schritte ist das Rebalancing. Was das ist und worauf Du dabei achten musst, erfährst Du in diesem Artikel.
Archiv: Deutsche = Häuslebauer?
Inspiriert durch Daniels tolle Beiträge und Podcasts zur Immobilienwoche habe ich einfach mal für Dich recherchiert, ob wir Deutschen wirklich ein Volk der Häuslebauer sind.
Softwaretipp der Woche
Den inneren Wert von Aktien bestimmen

Diese Woche habe ich eine Softwareempfehlung für Dich mit der Du den inneren Wert von Aktien bestimmen kannst. Der kostenlose Fair Value Calculator von Peter Klein ermöglicht Dir zu schauen, ob eine Aktie noch Potenzial hat oder womöglich überbewertet ist. 

Unter dem inneren Wert versteht man in der Finanzanalyse den Wert eines Unternehmens bzw. einer Aktie auf Basis objektiver Bewertungsmaßstäbe.

Bei Unternehmen ist es schwerer, konkrete Marktwerte gegenüberzustellen, weil es zu aufwendig ist, alle Bestände zusammenzuzählen. So fällt es auch schwerer den inneren Wert der Aktie zu bestimmen. Hierfür werden jetzt der Gewinn pro Aktie und das Umsatzwachstum genommen und auf dieser Basis der Fair Value errechnet. 

Auch wenn so ein Vergleich immer etwas hinkt, haben 25 nach der Fair Value-Methode ausgesuchte Unternehmen den MSCI World in den vergangenen sechs Jahren um 60 % geschlagen. Schau doch mal rein. Es sind auch interessante Artikel erhalten, wo du einiges zum Thema Kennzahlen mitnehmen kannst.
Wochenrückblick

Diese Woche ist meine 50. Podcastfolge veröffentlicht worden. Mein Interview mit Alicia kommt sehr gut an und die ersten Unterstützer bedanken sich für die Podcastfolgen. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal!

Am Dienstag habe ich ausnahmsweise auf das Deutschland-Spiel zur Hälfte verzichtet. Aus gutem Grund: Ich hatte einen Interviewtermin für meinen Podcast. Herausgekommen ist dabei eins meiner besten Interviews. Thematisch geht es um Tagesgeld, Fintech, passive Geldanlage und Crowdfunding. Und auch die digitalen Nomaden spielen wieder eine Rolle. Am 20.07. geht diese Episode online. Heute verzichte ich schon wieder auf das Deutschland-Spiel, denn eine meiner liebsten Underground-Bands aus den USA kommt nach Hamburg. Darauf kann ich dann doch nicht verzichten.

Kein EM-Fieber

So richtiges EM-Fieber hat sich bei mir sowieso nicht eingestellt. Die Spiele sind viel zu langweilig und der aufgeblähte Modus nervt. Dabei habe ich bei der letzten WM noch fast jedes Spiel live gesehen. Jetzt sind es nur Teile der Deutschland-Spiele. Vielleicht haben sich bei mir auch nur die Prioritäten verschoben. Oder ich werde alt.

Diese Woche ist noch ein neues Interview mit mir online gegangen. Vielleicht interessiert es Dich ja. Die Fragen von Stefan Erlich waren auf jeden fall sehr spannend.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche! 

Viele Grüße aus Lübeck
Daniel

Daniel Korth, Dornbreite 7n, 23556, Lübeck, Deutschland
Sie können den Newsletter jederzeit abbestellen oder Ihre Kontaktdaten ändern.

Powered by:
GetResponse